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08. Juni 2015 - Karl Traubel

Ich war dann mal weg

"Hosch Luscht, nexscht Joar farma dr Jakobsweg..."

...war die Frage von Andi Heckmair im Sommer letzten Jahres. Seines Zeichens ein Urgestein der MTB-Szene. Begründer der legendären Alpenüberquerung mit dem Mountainbike. Sohn des Erstbesteigers der Eiger-Nordwand. Spontan sagte ich zu.

Nicht mehr daran denkend erinnerte er mich im Mai daran, dass es in 2 Wochen losgeht. "Denk dra, mir radlat mit Kiwis, des sind wilde Hund und dia fahrrad bei jedem Weatt'r..." (Übersetzung: Ich erinnere dich, das sind Neuseeländer, sehr gute Radfahrer und lassen sich von widrigen Verhältnissen nicht abschrecken!). Na gut, Andi holte mich Nachts am 22 Uhr in Balderschwang ab und nach einer 17-Stündigen Autofahrt kamen wir übermüdet in San Sebastian im Baskenland an. Die anwesenden Teilnehmer sahen alle human und nett aus. Durchwegs nicht mehr ganz junge Semester, zwischen 42 - 77 Lenze alt. Teilweise rundlich, einige mit Krampfadern, Beinformen von O-X, Männ- und Weiblein. Nicht vorstellbar, dass die so "wild" sein sollen. Am nächsten Tag gings los, 125 km, 1.900 HM. Die Einteilung in drei Gruppen, die erste mit einem Halbprofi-Guide aus Tschechien, genannt Richardo. In diesem Pulk waren Kandidaten mit etwa 10.000 Kilometer in den Beinen. Die zweite Gruppe derer ich mich anschloss mit einem Guide aus Russland, genannt Wladimir. Die dritte Gruppe mit dem Chef von Global Adventure, Ralph Freemann, ein Bayer der sein Heimatland Bayern verlies und dieses weltweit tätige Radreiseunternehmen führt. In dieser Gruppe waren auch vier E-Bike-Radler mit dabei. Unter anderem Freund und Kumpel Andi.

Ich hatte vorher lediglich 300 km in den Beinen. Alle gefahren auf der Rohrmoosrunde und im Bregenzer Wald. So nebenbei zwischen Arbeit und Zimmerstunde. Meine internen Zwiegespräche gebe ich besser nicht von mir, welche ich in den ersten drei Tagen mit mir führte.

DENS FIDLA HOAT'MR IMMENS WEAH DONG.

(Mein Hinterteil war gut spürbar.) So legten wir in diesen 10 Tagen knapp 1.000 km zurück. Um dann am letzten Tag stolz und glücklich die Bestätigung in der Kathedrale von Santiago de Compostela zu erhalten, dass wir den Jakobsweg "regelkonform" zurückgelegt haben. Dazwischen lagen keine Übernachtungen in den rudimentären Pilgerunterkünften, die nicht vor gebucht werden können, sondern feine 4 oder 5 Sterne Hotels, wie es sich für Edelpilger gehört. Laut Wikipedia waren im Jahr 2014, 237.812 Pilger unterwegs. Zu Fuß, mit dem Rad, mit dem eigenen Esel oder "Softpilger" mit dem Reisebus, die lediglich eine geringe Anzahl an Kilometern marschieren, um die Anzahl der Stempel im Pilgerausweis zu erhalten. Ich habe die Fahrt genossen, dieses Land, die alten geschichtsträchtigen Städte, mit den schlichten und einfachen Kirchen, wo der Glaube spürbar ist bis zu den prunkvollen Kathedralen, die mit einem immens und für mich nicht vorstellbaren Aufwand vor Jahrhunderten erstellt wurden. Ich bin dankbar, dass ich gesund den Weg erfahren durfte, ziehe meinen Hut vor denen die über Wochen und Monate hinweg ihren Weg gehen. In Gedanken und im Gebet war ich oft bei meiner Familie, meinen Freunden, Mitarbeitern und Gästen. Es ist ein besonderer Geist auf dem Weg, es ist was Besonderes welches ich nicht in Worte fassen kann. Ich danke Ihnen/dir, wenn Sie/du die Zeilen bis hier gelesen haben, und wünsche Gesundheit und Gottes Segen.

Balderschwang an Fronleichnam 2015

Euer Karl

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