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31. Mai 2021 - Karl Traubel

retrospektive

gedanken eines plötzlich erkrankten

Dem Gegenüber leerstehende Hotelbetten, kalte Räume, gesperrte Liftanlagen, Mitarbeiter in Kurzarbeit, Perspektivenlosigkeit. Dazu eine Groß-Baustelle: unser neu entstehendes Schmuckstück: das HUBERTUS Mountain Spring SPA.

Oh, was für ein sagenhafter Winter! Frau Holle hat es wirklich gut mit uns gemeint: traumhafte Schneebedingungen, stahlblauer Himmel, perfektes Winterfeeling. Trotz Corona perfekt präparierte Loipen und unzählig viele Tourengänger, die besonders auch als Neueinsteiger die Freiheit in den Bergen suchen und auch finden.

Sobald die weiße Pracht auf der Baustelle überhandnimmt, bin ich oft bis spät abends unterwegs und räume das weiße Gold von der Baustelle, damit die Handwerker ihrer Tätigkeit nachgehen können. Es macht mir Spaß.

Plötzlich jedoch: Was ist das?
Ein stechender Schmerz. Beginnend von der Stirn weg hin zum Nacken und bis in den Schulterbereich hinein. Ein nie gekannter Hinweis meines Körpers. Dazu mein inneres Zwiegespräch: Das vergeht schon wieder. Genauso schnell, wie es gekommen ist. Das wird schon wieder.

Aber auch nach Tagen und Wochen bleibt der Schmerz, verstärkt sich und wandert. Unsicherheit kommt auf: Das wird doch nicht doch etwas Schlimmeres sein? Dann streift mich noch ein weiteres kleines Missgeschick. Und wieder kann die Genesung nicht in Gang kommen.

66 und kein bisschen weise.
Trifft das auch bei mir zu? An wen wende ich mich? Wer hilft mir?
Sorgen plagen mich: Nimmt alles seinen gewohnten Verlauf auf der Baustelle? Bis dato ist alles gut, ein Top-Team bestehend aus Architekten, Fachplanern, Bauleitern und Handwerksfirmen baut am großen Ganzen.

Da wird mich doch so ein bisschen Kopfweh nicht aus der Spur werfen! Oder doch? Kieferschmerzen kommen ganz neu hinzu. Und der Genuss einer Mahlzeit wird zur Tortur. Ich kontaktiere meinen Freund und Hausarzt. Und gehe zum Kieferorthopäden. Die Röntgenaufnahmen weisen Entzündungen im linken und rechten Kiefer auf. Und der Arzt entlässt mich mit dem Hinweis, einen Radiologen aufzusuchen. Das übliche Procedere: erst Blutabnahme, dann ein Gespräch mit dem Hinweis, dass man sich, im Falle eines Falles, melden würde. Um 19 Uhr der Rückruf, zu einer zugegeben ungewohnten Zeit, mit der dringenden Bitte, sofort am nächsten Tag vorbeizukommen. Die Blut- und Leberwerte stimmen nicht. Und man hätte einen Verdacht, was es sein könnte. Mehr kann ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr wahrzunehmen, so tief trifft mich diese Aussage.

Darauf dann die Ratschläge: Nehmen Sie dringend diese und jene Medikamente! Ich schreibe Ihrem Hausarzt! Konsultieren Sie weitere Ärzte! An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Zu stark sind die Schmerzen. Terminabsprachen für weitere Untersuchungen und Diagnosen sind corona-bedingt eine Herausforderung. An dieser Stelle danke ich für die Unterstützung, Einsicht und Intervention meines medizinischen Freundes und Hausarztes.

Was kann ich noch tun? Wie komme ich wieder auf die Füße? Wer hilft mir? Man macht sich Gedanken, versucht, alle Register zu ziehen, die einem in den Sinn kommen. Wie z.B. einen Alternativ-Mediziner, einen Heilpraktiker, den man aus längst vergangenen Zeiten noch kennt, zu konsultieren. Bruder Walter stellt den Kontakt her und bringt mich dorthin, da ich selbst nicht mehr fähig bin, Auto zu fahren. Die erste Untersuchung führt zur Blutabnahme, um ein großes Blutbild zu erstellen. Die Unsicherheit bleibt:
Was ist die Ursache dieser Misere?

Akribisch und brav nehme ich die farbig toll präsentierten Medikamente, die mir der Heilpraktiker bei meinem ersten Besuch verschreibt. Immer in der Hoffnung, dass diese auch anschlagen und mir endlich helfen. Im ersten Moment traue ich mich nicht, meinem Hausarzt mitzuteilen, dass ich on top noch einen „Nadelhexer“ (allgäuerisch für Heilpraktiker) aufsuche. Ungeklärtes versuche ich in den einschlägigen medizinischen Foren im Internet zu eruieren. Manches, das meiste, bringt noch mehr Unsicherheit.

Seit Tagen und Wochen liege ich nun schon zu Hause, warte auf Termine und konsultiere brav den Kreis an Personen, von denen ich mir erhoffe, mir helfen zu können, damit es mir auch nur ein bisschen besser geht. Wie glücklich bin ich allein schon über einen dreistündigen Schlaf, der mich meist erst vormittags übermannt.

Wer keinen guten Stellvertreter hat, ist auf dem schnellsten Wege schachmatt… Mein Sohn Marc, tapfer, agil und durchsetzungsstark, macht das Ding. Übernimmt die Verantwortung. Dies gibt mir Sicherheit und die Ruhe, dass alles seinen rechten Gang nimmt. Unterstützt durch das rundum starke HUBERTUS-Team, auf das wir uns seit jeher völlig verlassen können.

An meiner Seite meine Ehefrau und Partnerin Christa. Mein Spiegelbild mutiert zur Krankenschwester. Pflegt den zu Hause niederliegenden Mann. Ich spüre keine Besserung, dennoch bringt jede Fachuntersuchung die vermeintlich positive Diagnose: Es ist alles in Ordnung! Machen Sie sich keine Sorgen! Aber: Sie könnten auch dies oder jenes haben. Lassen Sie doch auch das oder das nochmal überprüfen. Zur Sicherheit raten wir Ihnen dazu!
Ich harre der Dinge. Bruder Walter fungiert als Fahrer. Zweimal wöchentlich in die bayerische Landeshauptstadt zum Heilpraktiker. Ein Teil wird besser. Minimal.

Eine für mich äußerst wichtige Frage bleibt: Wem kann ich mich anvertrauen? Mit wem kann / soll ich mein Leid teilen und erzählen, dass es mir nicht gut geht? Bei wem kann ich es wagen, bei wem kann ich mich trauen, von meinen neuen „Herausforderungen“ zu erzählen? Ich, der doch niemals krank war. Vor Kraft strotzend. Ein Sportler durch und durch. Kann es eventuell doch an der COVID-Erkrankung von letztem Herbst liegen? Trotz völliger Genesung: Können das eventuell Nachwirkungen sein, von denen man so oft hört? Aber: es war doch danach alles in Ordnung. Mir ging es doch danach wieder bestens!
Rastlos rattert mein Hirn. Unzählige Fragen gehen mir durch den Kopf. Selbstgespräche. Habe ich vielleicht doch etwas übertrieben? Waren es zu viele psychische Herausforderungen in Bezug auf die Baustelle? Du bist auch nicht mehr der Jüngste, Karl! Wann geht es endlich wieder weiter mit dem HUBERTUS? Wie geht es weiter? Schaffen wir das alles? Hält unser Team zusammen?
All das lässt mich nicht los und ist Bestandteil der Gespräche mit den engsten Vertrauten. Parallel dazu, wie ich anfange, meine Sorgen und Ängste zu teilen, schwinden meine Pfunde und auch meine körperliche Kraft.
Die täglichen Spaziergänge müssen wohl dosiert und geplant werden. Ich erfreue mich der Natur, nehme plötzlich kleinste Dinge wahr: die Katze, die ums Haus schleicht, auf der Suche nach Nahrung. Oder der Fuchs, der allabendlich bei uns durchs Wohnzimmerfenster schaut. So vergeht Tag für Tag, Woche für Woche. Es ändert sich nichts. Keine Besserung. Keine Hoffnung.

Meine engsten Familien-, Freundes-, Bekannten- und Mediziner-Kreise geben mir Kraft, Energie und Zuversicht. Nur im tiefsten Inneren muss ich selber damit fertig werden. Und gegen die Verzweiflung kämpfen, einzusehen, dass man alles für die Genesung tut, aber damit nicht wirklich etwas erreicht, das Licht am Ende des Tunnels nicht sieht.

Dennoch: Langsam, ganz langsam, merke ich eine Besserung.
Die Werte sind nicht mehr so dramatisch hoch.
Zuversicht und Hoffnung macht sich breit.

Ein positiver Aspekt dabei: Die kulinarische Abstinenz trägt Früchte. Seit Wochen kein Feierabendbier, keinen Schluck Rotwein, kein Kaffee und kein Fleisch. Stattdessen gedünstetes Gemüse, ab und an ein Stück Fisch, wohlwissend woher. Dazu Kräutertee und Tai Chi, eine Abfolge von Übungen mit langsamen, fließenden Bewegungen mit meditativem Charakter, die mich Armin Schaupp, ehemals Bürgermeister aus Immenstadt, heute Tai Chi-Coach, seit Kurzem lehrt. Statt stundenlangen Trainingseinheiten auf der Loipe achtsame, behutsame Bewegungsabläufe mit Fokus auf: Einatmen – ausatmen, einatmen – ausatmen, einatmen – ausatmen, …

Nach Wochen dann endlich der erste Besuch im Balderschwanger Tal, im neuen HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu. Alleine schleiche ich durch das Haus, begutachte die Baustelle und sehe mit Stolz die Fortschritte. Freude übermannt mich. Und baut mich auf. Aufgrund der tiefen Überzeugung: Wir sind auf dem rechten Weg!

Dies alles sind Gedanken von einem, der plötzlich darnieder lag. Um am eigenen Körper lernen und erkennen zu dürfen, was das höchste Glück auf Erden ist: Die Gesundheit.

Euer Karl Traubel

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