Steinformationen Nagelfluh

Naturpark Nagelfluh

Naturpark Nagelfluh

Naturpark Nagelfluh

Naturpark Nagelfluh

Naturpark Nagelfluh

Grenzüberschreitend, schützenswert, erlebenswert

Einen Naturpark als „neu“ zu bezeichnen fällt schwer. Schließlich steht die Nagelfluhkette schon seit Jahrtausenden in Sichtweite zu der Stelle, an der im Jahr 1951 das HUBERTUS gebaut wurde.
Neu ist der Naturpark aber dennoch: Seit 1. Januar 2008 besteht mit dem internationalen Pilotprojekt der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Deutschland und Österreich. Er umfasst 24.700 Hektar im Oberallgäu und im angrenzenden Bregenzer Wald.

Der Gebirgskamm des Naturparks besteht aus einzigartigem Konglomeratgestein, dem Nagelfluh. Entstanden ist dieses einzigartige Gestein aus Schlamm, Schutt und Geröll, das während der Entstehung der Alpen von urzeitlichen Flüssen verfrachtet und in einer großen voralpenländischen Schwemmebene abgelagert wurde. Phasen wechselnder Kalkeinträge führten zur Bildung von Schichten unterschiedlicher Bindungsqualitäten: Schichten mit einem ausreichenden Kalkgehalt verfestigten sich zu waagrechten Nagelfluhplatten. Die nicht verfestigbaren Sand- und Lehmbänke dazwischen wurden zu weniger harten und weniger beständigen Sandstein- und Mergelschichten.

Nachfolgende Faltungen schoben dieses Schichtensystem von Süden auf die europäische Kontinentalplatte und bäumten es somit gegen Norden hin auf. Gleichzeitig erodierte die so entstandene Gipfelkante an den jeweils wenigst-starken Stellen nach Süden hin zurück. Wo auch die tieferen Schichten dem Erosionsdruck nicht standhalten konnten, bildeten sich steile Abbrüche und darunter die für die Nordseiten typischen Kare; an den Stellen mit festerem Gestein verblieben die Nordgrate, besonders eindrucksvoll am Rindalphorn. Strukturbildend in den Nordwänden sind jeweils die Nagelfluhplatten, die Sandstein- und Mergelschichten dazwischen erodieren frühzeitig zurück und lassen ein Gerippe aus beeindruckend durchgängigen Nagelfluhbändern übrig. So sind es vor allem die Nordseiten der Nagelfluhkette, die heute Aufschluss über die Schichtenstruktur des einstigen Schwemmlandes geben.

Die Südseiten dagegen sind durch riesige, schiefgestellte Plattenoberflächen charakterisiert; bei einigen südseitigen Anstiegen bleibt man durchwegs auf einer einzigen Platte. Meist ist die Neigung dieser schiefen Ebene mäßig bei unter 30°, so dass sich Wälder oder Grasmatten darauf bilden konnten. An manchen Stellen jedoch sind die Nagelfluhplatten steiler – am Hochhädrich und am Steineberg bis zu 50°. In diesen Wänden kann sich keine flächendeckende Vegetation mehr etablieren und sie bleiben kahl. Die Erosion der südseitigen Nagelfluhplatten verläuft weniger regelmäßig als jenseits des Grates. An Rändern der meist sehr ausgedehnten Platten (oben oder an der Seite) bilden sich Überstände, da die weichen Schichten darunter eher erodieren.

Insgesamt umfasst der Naturpark 13 Gipfel. Die Nagelfluhkette bildet einen in seiner Ausformung in den Alpen einzigartigen Naturraum mit einer Vielzahl schützens-, aber auch erlebenswerter Eigenarten.